Wir, Ulla und H.G. Meerpohl, haben die aktuelle Reise nach Salem als Vertreter des Vereins zur Förderung der Gesundheitsversorgung von Frauen (VFGF) kurzfristig geplant und durchgeführt. Für uns war es die erste Reise nach mehr als drei Jahren, hauptsächlich bedingt durch die Covid-19-Pandemie.
Reiseanlass
Der konkrete Anlass war die kurzfristige Ankündigung einer Grundsteinlegung (Groundbreaking Ceremony) für den Neubau einer geburtshilflichen Einheit sowie eines multifunktionalen Operationstrakts auf dem Gelände des Kolonyi Hospitals. Gleichzeitig sollen Renovierungen am Altbestand erfolgen, um zusätzlich eine neonatologische Einheit einzurichten.
Die Baumaßnahme basiert auf einem positiv beschiedenen Förderantrag bei „Ein Herz für Kinder“, der Anfang 2022 von den German Doctors e.V. in Kooperation mit VFGF gestellt und im Juni 2022 genehmigt wurde. In den vergangenen Monaten wurden in mehreren virtuellen Meetings mit den ugandischen und deutschen Partnern die nächsten Schritte abgestimmt.
Ein Auswahlverfahren für ein leistungsfähiges Bauunternehmen und einen erfahrenen Architekten als Supervisor wurde durchgeführt. Grundlage für die Planung war eine 2019 von Peter Schmieg und H.G. Meerpohl erstellte Bauskizze, die Lage, Form und Ausdehnung des Neubaus im Masterplan des Kolonyi Hospitals definierte und Teil des Förderantrags war.
Vor unserer Abreise wurden Vorschläge und Ideen zur optimalen Raumnutzung sowohl vom ugandischen Team als auch von den deutschen Partnern final eingebracht.
Pandemie und wirtschaftliche Situation
Alle Covid-19-Einschränkungen sind aufgehoben; Schulen und Gesundheitszentren sind wieder uneingeschränkt zugänglich.
Während der Pandemie sowie durch die nachfolgenden kriegerischen Konflikte in Europa sind die Preise für Grundnahrungsmittel (Reis, Mais/Posho) um 60–80 % gestiegen.
Benzin ist etwa 30 % teurer, Baustoffpreise wie Zement sehr volatil.
Viele Menschen meiden aus ökonomischen Gründen private Gesundheitseinrichtungen und nutzen vermehrt öffentliche Health Center.
Die Patientenzahlen im Kolonyi Hospital waren 2022 vergleichsweise niedrig, dieser Trend hält aktuell an.
Medizinischer Service und Ausstattung
2022 wurden ein neues Ultraschallgerät und ein Röntgengerät angeschafft.
Das Ultraschallgerät wird zunehmend kompetent eingesetzt, während die Nutzung des Röntgengeräts noch Training benötigt.
Der Operationssaal weist weiterhin schwere Baumängel auf; eine Schließung konnte nur durch die Ankündigung der Baumaßnahme verhindert werden.
Die Ausstattung des OPs ist insgesamt weiterhin niedrig; die Anschaffung eines HF-Schneide- und Koagulationsgeräts wird dringend empfohlen.
Digitale Datenverarbeitung
Seit ca. 3 Monaten wird die Streamline Electronical Medical Record Platform im Kolonyi Hospital eingeführt.
Das System wurde speziell für ländliche Krankenhäuser mit begrenzten Ressourcen entwickelt.
Das Hospital wird über zwei Jahre im Rahmen des UPMB-Verbundes geschult.
Zur vollständigen Nutzung werden noch 3–4 PCs benötigt; VFGF hat die Finanzierung von mindestens einem PC zugesagt.
Community-based Health Insurance (CBHI)
Die Bevölkerung soll für ca. 24 USD pro Jahr (4-köpfige Familie) Zugang zu umfassender Basisversorgung erhalten.
Für ein funktionierendes Modell werden etwa 10.000 Mitglieder benötigt.
Ziel ist die höhere Auslastung und finanzielle Stabilisierung des Kolonyi Hospitals.
Salem School of Nursing
Die Schule bildet weiterhin Krankenschwestern und Hebammen aus.
Staatliche Zusage für Diploma-Level-Ausbildung ab 2022 erhöht die Attraktivität.
Seit Anfang 2023 werden ca. 240 Studierende ausgebildet; Unterbringungskapazitäten reichen nicht aus, männliche Studierende wohnen in umliegenden Dörfern.
Teilnahme von Vertretern der lokalen und Distriktbehörden, Kirchenvertretern und Dorfgemeinschaft.
Das Bauprojekt wird von den Behörden positiv bewertet; ein späteres Upgrade zum General Hospital wird angestrebt.
Finanzielle Unterstützung seitens staatlicher Stellen bleibt offen; konkrete Zusagen gab es nicht.
Die Veranstaltung war gut organisiert und hinterließ eine positive Außenwirkung.
Von unserer Projektreise nehmen wir mit:
Ein motiviertes, engagiertes Team vor Ort, das die Veränderungen der letzten Jahre positiv aufgenommen hat.
Erste Überlegungen zur Erweiterung der Serviceleistungen nach Ausbau des Kolonyi Hospitals, z. B. durch Fachärzte im Consultant-System.
Die Einführung der digitalen Datenverarbeitung und die Community-based Insurance könnten die Weiterentwicklung des Hospitals erheblich unterstützen.